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Die PFRETZSCHNER im sächsischen Vogtland (Teil 4) - die Geigenmacher

Aktualisiert: 2. Mai 2020

Von Carl Friedrich I (*11.1743), geht die Linie der Pfretzschner mit den meisten Geigenmachern aus.


Von ihm ist überliefert, dass er am 21.05.1766 als Meister in die Geigenmacher-Innung aufgenommen wurde. Zusammen mit anderen Markneukirchner Meistern gründet er am 11.04.1777 die Saitenmacher-Innung für das Gebiet Kursachsens mit Sitz in Markneukirchen und war einer deren Meister und später Schaumeister. Bei seinem Tode 1798 nennt ihn der Kirchenbuchführer "Bürger und Vormeister der Seitenmacher, wie auch Meister bei den Geigenmachern".



Die Fachwelt spricht bei seinen Geigen über "prächtige Werke der deutschen Geigenbaukunst mit persönlichstem Ingenium. das der alten vogtländischen Geiegnbauschule eigen ist." Lütgendorff schreibt über ihn, dass er offenbar italienische Vorbilder kannte, die er auch nachahmte, aber doch nicht so gut, dass man sich durch seine Zettel verleiten lassen könnte, ihn für einen aus Bayern eingewanderten Cremoneser zu halten. Bekannt sind von ihm Instrumente, die auf der Wirbelkastenrückseite oder auf dem Boden die Anfangsbuchstaben seines Namens in kleinen oder großen Versalien tragen. Auf seinen gedruckten Zetteln findet man seinen Namen und lateinische Angaben wie z.B. "prope Violino carRespontent Romani Cramona Ao" oder "Cremonien Hironimi Fili Antoni ..." oder einfach nur "Carl Friedrich Pfretzschner in Neukirchen bey Adorf".


1773 heiratet er in Markneukirchen Eva Regine Mönnig und bekommt mit ihr zwei Söhne, August Wilhelm I (*27.09.1784) und Christian Gottfried (*01.12.1785). Beide werden Geigenmacher, wobei von August Wilhelm I nichts weiter überliefert ist.


Christian Gottfried wird am 20.05.1807 als Meister in die Geigenmacher-Innung Markneukirchen aufgenommen. Die Fachwelt schreibt, dass er sich damit begnügte, sehr billige Geigen herzustellen, wie wohl sein Bruder auch. Ihre Schaffenszeit fällt genau in die Zeit, in der die Geigen als Duzendware verkauft wurden. Es gibt aber auch noch einige Instrumente von Christian Gottfried die das nicht bestätigen und von durchaus guter Handwerkskunst zeugen. Diese sind allerdings sehr selten.


Im Juli 1807 heiratet Christian Gottfried die Christiana Friederike Pöllmann und schon bald kommt im September 1807 der erste Sohn Carl Gottlob II zur Welt. Es folgen Marie Auguste und 1816 August Wilhelm II. Marie Auguste heiratet Johann Wilhelm Giers aus Adorf. Die beiden Söhne führen die Geigenmachertradition fort. 1857 stirbt Christian Gottfried in Markneukirchen, er wird 71 Jahre alt.


August Wilhelm II (*26.05.1816) geht wie der ältere Bruder beim Vater in die Lehre. Er wird am 13.05.1845 als Meister in die Geigenmacher-Innung aufgenommen. Er war ein talentvoller, tüchtiger Meister, der später der Trunksucht verfiel und im Armenhaus gestorben sein soll. Er hinterlässt keine Nachkommen.


Der ältere Sohn Carl Gottlob II erlernt das Handwerk bei seinem Vater und wird 1835 als Meister in Geigenmacher-Innung aufgenommen. Davor hat er jeweils 4 Jahre in Dresden und Hamburg gearbeitet. Nach seiner Rückkehr macht er sich in Markneukirchen selbständig. Durch eine mehr als 30-jährige Krankheit war er in seiner Arbeit sehr beeinträchtigt und häufig zur Untätigkeit verurteilt. Dennoch zählte er zu den tüchtigsten und geschicktesten Geigenmachern seiner Zeit. Er verwendete gedruckte Zettel,


Carl Pfretzschner

Instrumentenmacher

Neukirchen i Sachsen | 18xx


Carl Gottlob heiratet 1835 die Christiane Caroline Ficker (Tochter des Geigenmachermeisters Carl Friedrich Ficker genannt "Ficker Hans'l" aus Markneukirchen). Sie bekommen drei Söhne, Johann Richard, Carl Friedrich III und Karl Adolf. Karl Gottlob verstirbt früh im Alter von 56 Jahren. Über den erstgeborenen Johann Richard (1832 - 1893) ist nichts weiter bekannt. Die beiden anderen Söhne werden (wer hätte es gedacht?) Geigenmacher.


Karl Adolf wird 1849 in Markneukirchen geboren. Das Handwerk erlernt er vermutlich vom Vater, Meister wird er nicht. Um ehrlich zu sein, die von ihm erhaltene Geige ist ziemlich lausig zusammengeschustert und wahrlich kein Meisterwerk.



Carl Friedrich III ist der mittlere Sohn von Carl Gottlob und wird im November 1845 geboren. Als Schüler seines Vaters wurde er schon mit 10 Jahren dazu angehalten, Stege und Saitenhalter zu schneiden, mit 16 fertigte er bereits fertige Geigen an. Nach dem Tod des Vaters ging er zu Ludwig Bausch jun. in Leipzig, wo er seine Ausbildung vollendete. Als Ernährer der Mutter wurde er nicht sofort zum Militär genommen. Er verheiratet sich 1869 mit Auguste Bauer, wurde aber dann doch bei Ausbruch des Krieges (Deutsch-Französischer Krieg gegen Napoleon) zu den Fahnen gerufen und machte den ganzen Feldzug mit. Er war ein sehr geschickter Geigenmacher.


Zusammen mit Auguste hatte Carl Friedrich III eine Tochter, Auguste (*1874) und zwei Söhne, Carl Friedrich IV (*1870) und Friedrich Adolf (*1872), die beide zunächst den Beruf des Geigenbauers wählten und beim Vater zur Lehre gehen. Carl Friedrich III verstirbt 1924 in Markneukirchen und wird 78 Jahre alt. Auguste heiratet Christian Theodor Leonhard, mehr ist über sie nicht bekannt.


Der älteste Sohn Carl Friedrich IV erlernt zwar noch den Beruf des Geigenmachers, ob überhaupt und in welchem Umfang er dem Beruf nachging, ist nicht überliefert. Geigen oder andere Streichinstrumente die auf ihn zurückzuführen sind, scheint es nicht mehr zu geben. Sicher scheint jedoch, dass er Fuhrwerksbesitzer war und damit zumindest in Teilen seine Lebensunterhalt verdiente. Er heiratet 1901 Alma Müller und hat mit ihr zwei Töchter Marie Alma, die später Fritz Mönnich heiratet, und Helene, die später einen Blechschmidt ehelicht.


Der jüngere Bruder Friedrich Adolf ist der letzte, der aus dieser Familienlinie noch das Handwerk des Geigenmachers erlernt. Doch auch er kann vermutlich nicht mehr gut davon leben. Es ist die Zeit der Fabrikanten und der arbeitsteiligen Fertigung von Streichinstrumenten und allem was an Zubehör erforderlich ist. Er hängt das Handwerk an den Nagel und wird, wohl um die Jahrhundertwende, Gastwirt im "Zum heiteren Blick". 1903 heiratet er Martha Ida Groh und hat mit ihr zwei Söhne, Adolf (*1903) und Friedrich Albert (*1908). Der ältere Sohn Adolf tritt in die Fußstapfen des Vaters und wird ebenfalls Gastwirt. Er übernimmt später auch den Gasthof "Zum heiteren Blick". Zusammen mit Else Rochler hat er zwei Söhne, Friedrich (*1938) und Heinz (*1943) dessen Familie den Gasthof "Zum heiteren Blick" zu einem beliebten Hotel und Ausflugsziel im Vogtland ausbaut und noch heute betreibt. Die Linie der Pfretzschner als Geigenmacher aber, findet mit dem Großvater Friedrich Adolf um die letzte Jahrhundertwende ihren letzten Vertreter.

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