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Die PFRETZSCHNER im sächsischen Vogtland (Teil 5) - die Bogenmacher

Aktualisiert: 7. Juni 2021

Der fünfte und letzte Teil der Familiengeschichte der Pfretzschner hat ihren Ursprung bei Johann Gottfried und begründet die Linie der berühmten Bogenmacher, deren Streichbögen bis heute weltweit einen außerordentlichen Ruf genießen und von professionellen Musikern sehr geschätzt werden.

Johann Gottfried wird am 14.07.1733 als erster Sohn von Johann Elias II in Markneukirchen geboren. Wie der Vater erlernt er das Geigenmacherhandwerk und wird am 05.10.1751 als Meister in die Geigenmacher-Innung aufgenommen. Lütgendorff schreibt über ihn, dass er zu den Neukirchner Geigenmachern gehörte, die gerne "Cremona" als Ursprungsort angaben und Jacob Stainer zum Erfinder der Violine ernannten. Er scheint talentvoll gewesen zu sein und hat wahrscheinlich italienische Geigen gekannt. Auf seinen Zetteln schreibt er den Namen mal mit und mal ohne "z".


Am 20.11.1760 heiratet er Maria Sophie Müller geb. Tümmler aus Adorf und hat mit ihr einen Sohn, Carl Wilhelm I. Johann Gottfried verstirbt 1771 sehr früh mit 38 Jahren.


Carl Wilhelm I (* 19.09.1766) wird ebenfalls Geigenmacher, in den Meisterbüchern ist er jedoch nicht erwähnt. Vermutlich verdient er sein Geld vielmehr als Kaufmann und Acciseinnehmer. Am 13.11.1791 heiratet er Anna Magdalena Ebner, die Tochter des Johann Christian Ebner aus Markneukirchen. Sie haben gemeinsam eine Tochter, Johanna Christiane und einen Sohn, der den gleichen Namen trägt wie der Vater. Johanna Christiane (*1.1.1793) heiratet lt. Heberlein um 1810 den Geigenmachermeister Carl Friedrich Ficker, genannt "Ficker Hans'l. (Lt. Zoebisch ist das nicht richtig).


Carl Wilhelm II wird am 01.8.1795 geboren und erlernt den Beruf des Geigenmachers. Auch er wird in den Meisterbüchern nicht erwähnt. Aus der Ehe mit Christiane Caroline Adler gehen die Kinder Christian August, Carl Richard und Heinrich Anton hervor. Der Erstgeborene wird Postsekretär und geht nach Leipzig, wo er Rosalie Luise Reuter heiratet. Heinrich Anton wird Privatier und hat einen Sohn gleichen Namens, der später Limonaden Händler wird.


Carl Richard, der mittlere Sohn von Carl Wilhelm II wird am 15.02.1835 geboren und wird der erste Bogenmacher der Familie. Allerdings stellte er nur ganz einfache Bogen her und lebt mit seiner Familie in einfachsten Verhältnissen. 1856 heiratet er Caroline Dölling mit der er zwei Söhne hat, Hermann Richard Pfretzschner, den späteren Gründer der Werkstatt H.R. Pfretzschner und Wilhelm August, den späteren Bogenfabrikanten W. A. Pfretzschner. Carl Richard stirbt relativ früh, mit 58 Jahren.


Hermann Richard Pfretzschner wird am 28.02.1857 in Markneukirchen geboren. Sehr früh zeigt sich sein musikalisches Talent im Violinspiel. Nach der Schulausbildung erlernt er das Bogenbauerhandwerk in der Werkstatt des Vaters. Aber er möchte noch mehr über den Bogenbau lernen und geht 1872 zur weiteren Ausbildung nach Paris zu J. B. Vuillaume. Als er nach Markneukirchen zurückkehrt, arbeitet er zunächst noch in der Werkstatt des Vaters, bis er 1880 in seiner Heimatstadt ein eigenes Geschäft eröffnet. In wenigen Jahren gelingt es ihm dank hervorragender handwerklicher Fähigkeiten und sorgfältiger stilistischer Recherche, sich Respekt zu verschaffen und eine vorzügliche Reputation aufzubauen. 1901 wird er zum offiziellen Lieferanten des sächsischen Hofes ernannt. Er arbeitet seine Bogen nach J. B. Vuillaume, Tourte und Voirin und nach eigenem Modell die sog. Wilhelmi-Bogen für Künstler, die tatsächlich hochgespannten Anforderungen entsprechen und den besten französischen und englischen Bogen ebenbürtig sind. Seine Stangen sind nicht lackiert und tragen den Namen H.R. Pfretzschner schwarz aufgestempelt und ab 1901 wird das sächsische Königswappen in den Frosch der Bogen eingebrannt.


Am 13.11.1880 heiratet Hermann Richard die Auguste Bertha geb. Weller und hat mit ihr drei Kinder, Richard Hermann, Berthold Walter und Bertha Helene, die 1920 Artur Albin Dölling heiratet.


Die beiden Söhne Richard Hermann (*20.12.1878) und Berthold Walter (*27.06.1889) werden ebenfalls Bogenmacher und arbeiten in der Werkstatt des Vaters. 1911 erhält das zwischenzeitlich angewachsene Unternehmen den Titel "Grossherzoglich Sächsischer Hoflieferant" und unterhält ein eigenes Atelier in Dresden. Nach der Rückkehr aus dem ersten Weltkrieg übernehmen die beiden Söhne die Werkstatt, Hermann Richard stirbt 1921. Beide Brüder haben jeweils einen Sohn und eine Tochter. Sowohl Theodor Hermann (*1915), Sohn von Richard Hermann als auch Horst Richard (*1914), Sohn von Berthold Walter erlernen ebenfalls das Bogenmacherhandwerk und arbeiten ab 1928/1930 im Unternehmen der Väter mit.


Theodor Hermann heiratet 1948 bleibt aber kinderlos. Wie lange er im Familienunternehmen mitgearbeitet hat ist nicht bekannt, es existieren jedoch Bogen mit dem Stempel T.H. Pfretzschner was darauf schließen lässt, dass er später selbständig gearbeitet hat.


Horst Richard heiratet 1939 und hat drei Kinder, Heinz Horst, Agathe und Hermann Richard die 1941, 1943 und 1947 zur Welt kommen. Die Folgen des zweiten Weltkriegs und das danach herrschende politische System der DDR zwangen jedoch Horst Richard Pfretzschner, den damaligen Inhaber der Werkstätten H.R. Pfretzschner im Jahre 1966, die Selbständigkeit aufzugeben. Er trat der „PGH Sinfonia“ bei, diese wurde im Jahre 1972 zum VEB verstaatlicht und im Jahre 1985 in den „VEB Musima“ integriert.


Trotzdem führen die beiden Söhne die Familientradition fort und erlernen den Beruf des Bogenmachers. Während Heinz Pfretzschner im zwischenzeitlich verstaatlichten Betrieb weiterarbeitet, entschließt sich der jüngere Bruder Hermann Richard noch vor der Wende, die DDR zu verlassen und wird in Bayern heimisch.


Heute werden die meisterlichen Pfretzschner-Bogen von Heinz Pfretzschner und seinem Sohn René Heinz unter dem Namen H. Pfretzschner Markneukirchen gefertigt und angeboten.


Unter dem Namen H.R. Pfretzschner findet man im Internet die gleichnamige Seite.


Wilhelm August, der zweite Sohn von Carl Richard, wird am 11.02.1871 geboren. Er erlernt vermutlich das Handwerk des Bogenmachers vom Vater und wird später Bogenfabrikant und stellt Bogen unterschiedlicher Qualitäten her. Leider lassen sich darüber keine detaillierteren Informationen mehr finden. Erstaunlich ist jedoch, dass noch sehr viele Bogen aus dieser Fabrikation, die mit W.A. Pfretzschner gestempelt wurden, im Umlauf sind und dafür teilweise ähnlich hohe Preise aufgerufen werden wie für Bogen aus der Werkstatt H.R. Pfretzschner. Auf den Internetseiten der The Violin Connection of Southern Africa habe ich ein ganz besonderes Exemplar gefunden. Durch das Auge im Frosch ist ein Foto von Wilhelm August zu sehen.



Wilhelm August heiratet die Sophie Bertha Reichel und hat mit ihr die Söhne Hans und Willi Armin über die jedoch nichts weiter bekannt ist.



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Von Carl Friedrich I (*11.1743), geht die Linie der Pfretzschner mit den meisten Geigenmachern aus. Von ihm ist überliefert, dass er am 21.05.1766 als Meister in die Geigenmacher-Innung aufgenommen wu